Der Interim Manager

Eine gefährdete Spezies!

Die zeitliche Befristung der Tätigkeit des Interim Managers erhöht sein Risiko einer persönlichen Inanspruchnahme seitens des Unternehmens. Anders als bei langjähriger Firmenzugehörigkeit gibt es kein gewachsenes Netz sozialer Beziehungen, das für eine gewisse Hemmschwelle und damit für einen zumindest vorläufigen Schutz sorgt.

In welcher Weise sich der Interim Manager gegen Haftungsrisiken versichern kann, hängt von der vertraglichen Beziehung zwischen ihm und dem Unternehmen ab.

  • Der Interim Manager arbeitet als Angestellter des Unternehmens.
    Die Bedingungen für eine D&O-Deckung sind im Wesentlichen dieselben wie die für Manager, die ohne zeitliche Befristung tätig sind.
  • Es besteht eine Vertragsbeziehung zwischen einer Agentur für Interim Management Dienstleistung und dem Unternehmen.
    Die Agentur haftet dem Unternehmen gegenüber für Schäden, die durch den von ihr vermittelten Interim Manager verursacht wurden. Ist der Interim Manager kein Angestellter der Agentur, kann sie bei ihm Regress nehmen.
  • Es besteht ein unmittelbarer Dienstleistungsvertrag zwischen dem Unternehmen und dem Interim Manager.
    Der Interim Manager haftet für einen Schaden, wenn er bei seiner Tätigkeit für das Unternehmen eine bestehende Pflicht verletzt hat und ihn ein Verschulden, z.B. Fahrlässigkeit, trifft.

Die Praxis zeigt übrigens, dass Manager und besonders Interim Manager häufig im Innenverhältnis in Anspruch genommen werden, wenn sie das Unternehmen bereits verlassen haben. Welche Haftungsfälle können auftreten?

  • Interim Manager ohne Organstellung (‚2. Management-Ebene‘)
    Das Unternehmen macht vertraglichen Schadenersatzanspruch geltend; dann trägt es die Beweislast, dass ein Schaden entstanden ist, dass der Interim Manager eine vertragliche Pflicht verletzt hat und dass die Pflichtverletzung Ursache für den Schaden war. Der Manager muss zeigen, dass er nicht schuldhaft gehandelt hat ( = keine vertragliche Pflicht verletzt hat).
  • Interim Manager mit Organstellung (‚1. Management-Ebene‘)
    Das Unternehmen macht Organhaftungsansprüche geltend; dann muss es beweisen, dass durch ein konkretes Handeln des Organmitglieds ein Schaden entstanden ist; Pflichtwidrigkeit und Verschulden werden zu Lasten des Organmitglieds angenommen. Das Organmitglied muss beweisen, dass es nicht pflichtwidrig und nicht schuldhaft gehandelt hat.

In beiden Fällen ist es für den bereits ausgeschiedenen Interim Manager schwierig, an Unterlagen zu kommen, die ihn entlasten können. Es ist also sinnvoll, wenn der Interim Manager über eine eigene Dokumentation seiner Tätigkeit für das Unternehmen verfügt; gerade mit Blick auf die Zeit nach seinem Ausscheiden.