Managerhaftung

Wenn man in der einschlägigen Fachpresse liest, die Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe auch das Haftungsumfeld für Manager verändert, dann ist natürlich immer gemeint: die Bedingungen haben sich verschärft. Warum eigentlich? Der Maßstab des Managerhandelns ist doch seit eh und je dieselbe: „Er hat bei seiner Tätigkeit die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden“ (§ 93 AktG; entsprechend § 43 GmbHG).

Zugegeben: Internationalisierung und Globalisierung sind weiter fortgeschritten, aber Kostendruck gab es früher genauso wie scharfen Wettbewerb, Zeitdruck und begrenzte Ressourcen. Was also hat sich verändert, dass Zahl und Schadenhöhe der Managerhaftungsfälle in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben?

Das wirtschaftliche Umfeld für die Unternehmen ist schwieriger geworden: der Kostendruck auf die Unternehmen hat zugenommen; der Wettbewerb, besonders der internationale, ist schärfer geworden, weil immer neue Mitbewerber antreten; die kurzfristige Gewinnorientierung der Aktionäre macht längerfristige Unternehmensentwicklungen schwieriger.

Neue nationale und internationale Gesetze und Bestimmungen haben die Zahl der bereits bestehenden Haftungsnormen für Manager weiter erhöht; Insolvenzverwalter prüfen zunehmend und gezielt auf mögliches Organverschulden und daraus ableitbare Ansprüche. (Nebenbei bemerkt: Wenn das der Insolvenzverwalter nicht tut, dann läuft er Gefahr, seine Pflichten zu verletzen und in die Haftung genommen zu werden!)

Die öffentliche Wahrnehmung hat sich verändert. Spektakuläre Schadenersatzansprüche machen Schlagzeilen; die Zahl der Aktionärsklagen steigt; spezialisierte Anwaltskanzleien bedienen eine sich immer weiter verbreitende Anspruchs- und Klagementalität.

Daraus folgt die Einsicht, dass Manager-Haftung kein fiktives, sondern ein sehr reales Risiko darstellt, das große Schäden ‚produziert‘ und eine entsprechende Schadensregulierung erfordert. Hierbei ist zu beachten, dass die D&O-Versicherung nicht nur den Vermögensschaden als solchen ausgleicht, sondern auch – frühzeitig eingeschaltet – rechtliche Begleitung zur Abwehr unberechtigter Ansprüche bietet.

Es stellt sich nunmehr die berechtigte Frage, ob sich der Einkauf einer D&O-Versicherung lohnt? Diese Frage hat sich für den mittelständischen Unternehmer eher zu Zeiten gestellt, als diese Deckung ausschließlich auf Großunternehmen zugeschnitten war. Mittlerweile bieten die führenden Versicherer in dieser Sparte sehr weit reichende Deckungen an, die sich individuell an der Situation des Unternehmens orientieren. Darüber hinaus hat der Wettbewerb zu deutlich niedrigeren Prämien geführt.