Vertrauensschaden-Versicherung

Gegen Vertrauensbruch kann man sich versichern?!

Nun, natürlich nicht gegen die Enttäuschung, die der empfindet, dessen Vertrauen missbraucht wurde. Mit dem ideellen Schaden, mit den verletzten Gefühlen muss der Betroffene selbst fertig werden. Aber gegen die materiellen Schäden, die ein Vertrauensbruch üblicherweise nach sich zieht, und die sich, anders als Wut oder Enttäuschung mit Geld bezahlen lassen, gegen diese Schäden sorgt eine Vertrauensschaden-Versicherung (VSV) vor.

Es geht also um Wirtschaftskriminalität, genauer: um Mitarbeiterkriminalität im weitesten Sinne. Das ist ein heikles Thema. Nicht so sehr, weil es dabei jährlich um einen Gesamtschaden in mehrstelliger Milliardenhöhe geht, sondern weil im konkreten Einzelfall häufig langjährige Bekanntschaft und ein Netz sozialer Beziehungen, die dem Betriebsalltag Struktur und Stabilität gegeben haben, eine wesentliche Rolle spielen. Einerseits weiß man, dass der „menschliche Faktor“ in betrieblichen Abläufen immer gewisse Unsicherheiten birgt; Menschen haben Schwächen. Andererseits weiß man auch, dass es in vielen Bereichen ohne ein Minimum an vertrauensvoller Zusammenarbeit gar nicht geht. Das ist ein Dilemma, das eine Vertrauensschaden-Versicherung nicht auflösen kann; aber sie kann einen Bereich möglicher Folgen „entschärfen“: den Bereich des wirtschaftlichen Schadens aus Vertrauensmissbrauch.

Das Thema ist also heikel, weil die Täter aus den eigenen Reihen kommen, weil es Mitarbeiter sind, auf deren Loyalität man gebaut hat, weil Kontrollmechanismen, auf die man sich verlassen hat, versagt haben. Und letztlich auch, weil ein Vertrauensschaden die eigene Personalauswahl in einem ungünstigen Licht erscheinen lässt.

Einen uneingeschränkten Schutz vor Vertrauensmissbrauch gibt es nicht. Jedes noch so ausgeklügelte Kontrollsystem hat Schwachstellen und kann unterlaufen werden. Auch bei bewährten Mitarbeitern mit langjähriger Betriebszugehörigkeit können sich die persönlichen Lebensverhältnisse ändern – eine kostspielige Scheidung, Alkoholsucht, die Raten fürs Eigenheim, Geldgier … Oder ein persönlicher Racheakt eines Mitarbeiters, der sich bei einer Beförderung übergangen gefühlt hat.

Der plumpe Griff in die Kasse, der spätestens bei der nächsten internen Revision auffliegen sollte, ist ja nur die gut sichtbare Spitze des Eisbergs. Für einen Betriebsangehörigen in entsprechender Position gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich durch Untreue, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Diebstahl, Betrug, Computerbetrug oder Datenmissbrauch persönlich zu bereichern und das Unternehmen zu schädigen. Oft genug ist es nicht einmal besonders schwierig. Der Mitarbeiter kennt die Sicherungs- und Kontrollmechanismen und kann damit umgehen; also kennt er auch die Schwachstellen. Er kann sich völlig unverdächtig in einem Umfeld bewegen, mit dem er bestens vertraut ist. Schließlich ist er ja gedeckt durch das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.

Greifen die Kontroll- und Überwachungsmechanismen, werden die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, können der oder die Täter identifiziert und der Schaden beziffert werden, ist es für das Unternehmen in den meisten Fällen zu spät: Das Geld ist weg…, der Schaden bleibt.

Zu der internen Bedrohung durch Diebstahl, Betrug und Unterschlagung seitens der eigenen Angestellten kommt nun die externe Bedrohung durch Spam, Viren, Malware und Hacker-Angriffe. Die zunehmende Vernetzung mit Computersystemen und mit dem Internet eröffnet zahlreiche neue Geschäftsmöglichkeiten, bereitet vielen Firmen aber auch zunehmend Kopfschmerzen.

Hier kommt die Vertrauensschaden-Versicherung ins Spiel.

  • Sie deckt Vermögensschäden des Unternehmens, die von Vertrauenspersonen durch gesetzeswidrige Handlungen verursacht wurden.
  • Idealerweise tritt sie auch dann ein, wenn der Schadenverursacher nicht identifiziert werden kann.
  • Sie deckt Schäden am Vermögen von Vertragspartnern der Versicherungsnehmerin, die von Vertrauenspersonen des versicherten Unternehmens verursacht wurden und für die das Unternehmen einzustehen hat.

Darüber hinaus bietet der Versicherungsmarkt Lösungen, die versicherten Unternehmen Schäden ersetzt, die durch Dritte verursacht wurden, wie z. B.

  • Schäden aufgrund gefälschter Rechnungen, Bestellungen oder Zahlungsanweisungen
  • Schäden aufgrund der Annahme gefälschter Schecks oder Zahlungsmittel
  • Schäden aufgrund Diebstahls von Geld oder Wertpapieren aus einem Bankschließfach oder Tresor

Vereinzelt werden zudem Schäden ersetzt aufgrund von

  • Zinsen und Vertragsstrafen
  • Zerstörung oder Beschädigung von Bargeld
  • Kosten zur Minderung oder Vermeidung eines Reputationsschadens.

Als Instrument des Risk-Managements sorgt die Vertrauensschaden-Versicherung dafür, dass das versicherte Unternehmen nicht auch noch auf dem wirtschaftlichen Schaden sitzen bleiben.

Sie kann als eigenständige Versicherung abgeschlossen werden oder als Ergänzung zu einer D&O-Versicherung.